fernsehenlich-rechtliche Fernsehanstalten, die das Internet zum
> “Senden” nutzen, werden zu einem gigantischen Machtfaktor,
> der die Online-Auftritte vieler Verlage niederwalzen könnte.
… auf welcher Seite Heise in dem Konflikt steht ist klar.
Heise ist ein privater Verlag mit eigenen Ambitionen im
Onlinegeschäft.
Gegenwärtig sind sämtliche privaten Verleger dabei, die
öffentlich-rechtliche Konkurrenz mit juristischen Mitteln
aus dem Feld zu schlagen. Nicht Wettbewerb soll entscheiden
wer sich am Markt durchsetzt, sondern Richter. In dem Konflikt
geht es den privaten Verlagen darum, Claims abzustecken und
Exklusivrechte juristisch absichern zu lassen.
Um das Klima der Debatte und anstehende politische Entscheidungen
zu beeinflussen, werden die Öffentlich-Rechtlichen deswegen gerne
zu einem “gigantischen Machtfaktor” aufgebaut, wobei verschwiegen
wird, daß private Verlage einen zig-mal gigantischeren Machtfaktor
darstellen. Im Vergleich zu Time Warner, AOL, Fox, Viacom, CNN,
MSN, Bertelsmann, Springer etc. sind die Öffentlich-Rechtlichen
kein besonders großer Faktor. Im Gegensatz zu privaten Anbietern
sind die Öffentlich-Rechtlichen dem gebührenzahlenden Publikum
aber (theoretisch zumindest) Rechenschaft schuldig und müssen
(wiederum zumindest theoretisch) ein gewisses Niveau halten und
auf Publikumswünsche reagieren. Private Anbieter sind lediglich
ihren Eigentümern und Shareholdern verantwortlich.
In England kann man den Konflikt schon seit Jahren beobachten.
Im Gegensatz zu den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland,
finanziert sich die BBC zu 100% aus Gebühren. Bei der BBC
gibt es keine kommerzielle Werbung. Das stinkt den privaten
Verlagen gewaltig und deshalb setzt die zu 100% in privater
Hand befindliche britsche Presse und ganz besonders die
Murdoch Presse alles daran, die BBC kaputt zu machen. Fast
täglich kann man bei Sun und Times (Murdoch), sowie
Daily Mail, Daily Telegraph und vielen anderen, frei erfundene
Geschichten über angebliche Korruption oder Linkslastigkeit
bei der BBC lesen. BBC Produktionen werden von den Kritikern
dieser Blätter regelmäßig verrissen, Murdoch’s Sky Channel
aber oft über den grünen Klee gelobt.
Auf die Dauer wird diese Kampagne sicher Erfolg haben und
dazu führen, daß die BBC entweder gezwungen wird, sich zu
“öffnen”, d.h. Kapital privater Investoren und somit Werbung
zuzulassen, oder daß der Wirkungsbereich der BBC gesetzlich
stark eingeschränkt wird.
Welchen Effekt die sogenannte “Liberalisierung des Marktes”
Mitte der 80er Jahre auf die Qualität der Medien hatte,
kann man täglich im TV beobachten. Die Abwärtsspirale
ist endlos, falls sich das Publikum nicht dazu aufrafft,
mit den Füßen abzustimmen und dem kommerziellen Mist so
ein Ende bereitet.